Aus dem breiten und flachen Tal der Saar herkommend, in Richtung Frankreich, erhebt sich die Hochfläche des Saargaus. Bereits von weitem sichtbar, am Hang, das Dorf Felsberg und die Kirche St. Nikolaus. Am Kirchweg, seitlich der Kirche, soll das neue Gemeindehaus errichtet werden. Von oben kommend schiebt sich das neue Gebäude vor an die Strasse, in die Flucht der Nachbarbebauung, um dann abzknicken und den Blick ums Eck zur Kirche zu lenken. Vom Tal her kommend, zeigt es sich selbstbewusst und wächst aus dem Vorplatz heraus, mit seiner plastische Ausformung die Ecksituation betonend. Der Neubau ist amorph, karg, ja sogar archaisch, doch erschliesst er sich von aussen dem Betrachter unmittelbar, erscheint selbstverständlich. Der polygonale Grundriss und die Form sind nicht willkürlich, sie ergeben sich aus Ausrichtung und Bezugnahme auf Kirche, Strasse und Topografie. Der Körper wurde mit einem asymmetrischen, flach geneigten Satteldach abgeschlossen. Aufgebrochen wird die monolithische Form durch die Fensteröffnungen und den Eingang, der wie eine Aussparung im kompakten Baukörper in einladender Geste eine wettergeschützte Nische bildet. Auch hinsichtlich Material und Oberfläche nimmt der Neubau Bezug auf die Umgebung. Steht die Kirche auf einem Sandsteinsockel mit verputzter Fassade und reicher Sandsteinornamentik, so greift der Neubau die Materialität und Struktur des Natursteins auf, betont aber durch die Homogenität der Fassade seine formale und funktionale Andersartigkeit. Der warme Grau-Braunton der behandelten Betonfassade sucht auch die Nähe zum im gelblichen Naturton gehaltenen Putz der Kirche, der einigen Bauwerken des Architekten Hektor eigen ist. Dem Gemeindehaus vorgelagert sind kleinere städtebauliche Elemente wie Stützmauern, Rampen und Treppen. Diese richten sich an den topographischen Gegebenheiten aus und bilden differenzierte Raumgrenzen. Ein abwechslungsreicher und in der Höhenentwicklung reizvoller Übergang zum Vorplatz der Kirche entsteht. Der keilförmige Bau des Gemeindehauses formuliert mit seiner Geste zwei Arten von Freiflächen: Zur Strasse die öffentliche. Urban in Haltung und Materialität, öffnet sie sich dem Ort. Auf der Rückseite entsteht ein Platz mit intimeren Charakter. Dieser steht der Gemeinde für Veranstaltungen und Feste zur Verfügung. Gleichwohl ist der Umgang, entlang der Kirche, wie auch entlang des Gemeindehauses, wenn auch auf unterschiedlichen Höhenniveaus, möglich. Durch die Einschnürung des Raumes zwischen Gemeindehaus und Kirche wird ein spannender Übergang zwischen beiden Freiflächen geschaffen. Der Grundriss des Gebäudes ist einfach und zweckdienlich. Die Eingangshalle mit zenitalem Tageslicht und ein ebenso belichteter, in Fortsetzung seitlich versetzter Gang, bilden den Erschliessungsbereich. Hangseitig sind die Funktionsräume. Durch ihre Anordnung und Erschliessung können sie bei unterschiedlichsten Nutzungen und Veranstaltungen direkt und gänzlich voneinander unabhängig genutzt werden. Zum Tal hin, grosszügig geöffnet, sind die Hauptnutzräume, der Saal und die Gruppenräume. Diese profitieren durch die Asymmetrie des Daches von einer angemessen Raumhöhe. Der Saal lässt sich um die Fläche des Foyers erweitern und bei Bedarf können sogar die Gruppenräume hinzugeschaltet werden.
Das Gemeindehaus ist ein kraftvolle, selbständige Ergänzung zur Kirche. Aber so zeitgemäss die Sprache des Gemeindehauses auch ist, es ist im Ort verankert. Wir mögen auch an Emil Steffann und seine, den lothringischen Bauernhäusern entlehnte Scheunenkirche gedacht haben im Sinne einer bildlichen Referenz. Doch suchten wir wohl weniger einen direkten Bezug, als eine Sprachverwandschaft. Den Ausdruck von Ursprünglichkeit, von Heimat schlechthin, neu formuliert durch Andersartigkeit und Besonderheit.
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